Gutachten- und nun?

von Charlotte Dahlem

Am 27. Januar wurde das von allen Beteiligten ersehnte Gutachten des Wissenschaftsrats offiziell veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt war die Spannung aber bereits weitgehend abgebaut, da eine Kurzfassung bereits vor dem Termin der Presse zugespielt wurde, welche diese bereits am Freitag veröffentlichte.

Die sonst nicht gerade für Spontanität bekannte Staatskanzlei verlegte daher auch die Pressekonferenz von Montag auf Freitag.

Die Veröffentlichung ist mittlerweile knapp einen Monat her und so richtig weiter gekommen ist wohl noch niemand.

Bereits nach dem ersten Durchblättern der gut 450 Seiten Gutachten stellte man fest, dass keine der vorgeschlagenen Maßnahmen zur Einsparung vom Wissenschaftsrat auch auf ihren finanziellen Nutzen hin geprüft wurde.

Insgesamt wird der Universität ein sehr guter Status Quo attestiert und nochmal klar darauf hingewiesen dass die Universität bereits jetzt für das breite Studienangebot unterfinanziert ist.

 Als Einsparmaßnahmen das Fächerangebot betreffend werden Kürzungen des Studiengangsportfolio im Bereich der Geisteswissenschaften, ein Ausbau der Kooperationen im Bezug auf die Lehramtsstudiengänge, die Schließung des erst im WS 13/14 eingeführten Masterstudiengangs Maschinenbau und der Zahnmedizin, die Verlagerung der Wirtschaftswissenschaften in eine Business School und die verstärkten Kooperationen in der Juristenausbildung vorgeschlagen.

 Die ersten Rechnungen einige Tage nach der Veröffentlichung zeigen, dass diese Maßnahmen alleine wohl nicht zur Deckung des Haushaltslochs von 100 Mio Euro bis 2020 ausreichen wird.

Auch die oft angesprochene „Rasenmähermethode“, in der keine der frei werdenden Professuren in allen Fächern wieder neu besetzt werden, würde dieses gigantische Loch nicht stopfen.

 Daher stellt sich nun zum einen die Frage, wie man mit diesem doch eher unspezifizierten Gutachten umgehen soll und zum andern wie eine Sparlast von 100 Mio. Euro bis 2020 zu bewältigen ist.

Erste Einschätzungen laufen darauf hinaus, dass das Land um eine Übergangsfinanzierung nicht herum kommen wird und der angestrebte Globalhaushalt wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt zu realisieren ist. Zu diesem Schluss kommt auch der Wissenschaftsrat. Denn selbst wenn Fächer geschlossen werden, bedeutet dies, dass alle Studierenden die Möglichkeit haben müssen fertig zu studieren, außerdem bleiben Professorinnen und Professoren, welche als Beamte eingestellt sind der Uni trotzdem erhalten.

 Lösungsansätze, die zur Zeit auf dem Campus diskutiert werden gleichen eher Horrorszenarien wie beispielsweise die Reduktion sämtlicher Serviceangebote, die das Studieren interessanter und einfacher gestalten sollen, Betriebsbedingte Kündigungen, der Verkauf der „Filetstücke“ der Universität und die nicht mehr zu realisierende Einhaltung von Berufungszusagen.

Auch Fächer, welche im Gutachten nicht erwähnt werden, werden sowohl von Universität als auch Land nochmal auf den Prüfstand gestellt und selbst die Frage nach Studiengebühren kriecht mal wieder aus ihren Löchern.

 Doch auch die Grundsatzdiskussion nach Breite oder Profil des Studienangebots, ist noch nicht final besprochen. Daher werden Land und Universität auch die allgemeine Richtung, in welche sich die Universität entwickeln soll festlegen müssen. Denn während die Koalitionsparteien auf eine breite Ausbildung setzten und sich auch mit „Durchschnitt“ zufrieden geben, will die Universitätsleitung nicht auf Exzellenzen zu Gunsten dieser Breite verzichten.

 Erste Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen werden nun besetzt und erste Vorstellungen wie die Vorschläge von den jeweils Betroffenen umgesetzt werden könnten werden erarbeitet. Auch die Studierenden in den einzelnen Fächern sollten offen für diese Prozesse sein und versuchen fachspezifisch möglichst viel konstruktive Kritik zu üben, aber auch an gegebenen Punkten selbst Vorschläge zu erarbeiten.

Letztendlich wird es ein schwieriger Diskussions- und Entscheidungsprozess sein, den die Beteiligten trotzdem so schnell wie möglich abschließen wollen, um spätestens für das kommende Wintersemester Klarheit über das Fächerangebot zu haben.

 

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