Stellungnahme des AStA zu den Empfehlungen des Wissenschaftsrates

von Charlotte Dahlem

Stellungnahme des AStA zu den Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Weiterentwicklung des Hochschulsystems des Saarlandes
 
Der AStA ist Teil der verfassten Studierendenschaft der Universität des Saarlandes und vertritt zurzeit über 18.000 Studierende aus sämtlichen Fachrichtungen.
Sowohl die vom Land beschlossenen Einsparungen an der Universität im Rahmen der Haushaltskonsolidierung als auch die darauf folgende Veröffentlichung des Gutachtens durch den Wissenschaftsrat hat in den letzten Wochen und Monaten deutliche Spuren in der Studierendenschaft hinterlassen.
Vor der Entscheidung des Landtages über den Globalhaushalt der Universität waren über 2000 Studierende dem Aufruf des AStA zur Demonstration vor dem Landtag und der Staatskanzlei gefolgt. Bereits zu diesem Zeitpunkt sahen sich die Studierenden mit der Angst um die Qualität ihrer Lehre und den Erhalt ihres Studienfaches konfrontiert.
Diese Angst wächst mit der nicht abnehmenden Unwissenheit über die Zukunft unserer Universität. Denn auch wenn jeder momentan eingeschriebene Studierende das Recht hat sein Studium zu beenden, werden die von Kürzungen betroffenen Fachrichtungen mit starken Qualitätseinbußen zu kämpfen haben.
Auch die Qualitätseinbußen im Rahmen der Halbierung der Kompensationsmittel sind nochmals zu erwähnen. Mit diesen Mitteln wurden zahlreiche qualitätsverbessernde, auf Grund der bereits unzureichenden Finanzsituation der Universität aber auch qualitätserhaltende Maßnahmen finanziert.
Der Wissenschaftsrat attestiert der Universität des Saarlandes in seinem Gutachten ein leistungsstarkes und breites, jedoch auch unterfinanziertes Spektrum.
Die Ausgaben pro Studierendem liegen mit rd. 5500 bereits jetzt weit unter dem Bundesdurchschnitt von rd. 7200 Euro.
An dieser Stelle ist jedoch zu betonen, dass die im Gutachten angesprochenen Maßnahmen nicht auf Grund von einer grundsätzlich schlechten Lehre ausgesprochen werden, sondern alleine aus der Finanzvorgabe des Landes resultieren.
 
Da das Gutachten als Diskussionsgrundlage verstanden wird, sehen wir momentan keines der angesprochenen Fächer als sicher betroffen an, anders herum geraten dadurch aber auch noch einmal andere Fächer auf dem Prüfstand.
Auch in der Vergangenheit der Universität wurden einige Einschnitte am Studiengangsportfolio vorgenommen.
Bei einer weiteren Reduzierung des Studienangebotes wird die, in den letzten Jahrzehnten gewachsene Volluniversität immer weiter beschnitten. Dies hat nicht nur eine Reduzierung von Studierendenzahlen, sondern auch von Angeboten innerhalb des Campus zur Folge.
Zahlreiche Synergien zwischen einzelnen Fächern und Lehrexporte würden verloren gehen. So wären beispielsweise Studierende des Faches Musikmanagement auch von Einschnitten in den Wirtschaftswissenschaften direkt betroffen. Die Möglichkeiten aller Studierenden, während ihres Studiums auch mal über den Tellerrand ihres eigenen Studiums hinaus schauen zu können, würden stark eingeschränkt werden.
Vor diesem Hintergrund spricht sich der AStA für den Erhalt eines breiten Fächerspektrums und eine damit verbundene akademische Grundversorgung im Saarland aus.
 
 
Stellungnahme zu den Vorschläge des WR einzelne Fächer betreffend:
 
Rechtswissenschaften
Für die Möglichkeiten von Kooperationen der Rechtswissenschaften ist die Bereitschaft anderer Hochschulen eine Grundvoraussetzung.
Auf jeden Fall liegen dem Studium das Juristenausbildungsgesetz und die Juristenausbildungsordnung zu Grunde, sodass für das Studium der Rechtswissenschaften bestimmte Professuren vorhanden sein müssen, ohne die das Studium rein rechtlich gesehen gar nicht zum Ziel führen kann. Inwiefern eine Universität innerhalb Deutschlands, aber außerhalb des Saarlandes, bereit ist, in für das Saarland spezifischen Rechtsgebieten zu forschen und diese zu lehren, lässt sich aktuell schwer vorhersagen; die Annahme, dass das Interesse hieran außerhalb des Saarlandes ausreichend hoch ist, darf jedoch bezweifelt werden, da Landesrecht immer noch in einem Hoheitsdenken als Aufgabe der einzelnen Bundesländer gesehen wird. Darüber hinaus muss vor einem politischen Hintergrund bewertet werden, ob bei einem solchen Export der für das Saarland spezifischen Rechtsgebiete die Gefahr eingegangen werden kann, dass diese mit einem gewissen Beigeschmack empfunden werden, was mittelbar zur Gefährdung der Eigenständigkeit des Saarlandes beitragen kann. Ob sich das Saarland als einziges Bundesland die Blöße geben will, keine eigene juristische Fakultät zu haben, ist ein weiterer Punkt, der politisch bewertet werden muss.
Ob eine Kooperation in den Rechtswissenschaften möglich ist, bleibt fraglich. Dies hätte zur Folge, dass das Saarland als einziges Bundesland ohne eigene Juristenausbildung ist, was auch Auswirkungen auf seine Eigenständigkeit mit sich ziehen könnte.
 
Wirtschaftswissenschaften
Einer stärkeren Zusammenarbeit der wirtschaftswissenschaftlichen Bereiche von HTW und Universität des Saarlandes steht die Studierendenschaft der Universität des Saarlandes offen gegenüber. Es ist zu erwarten, dass die HTW von einem stärkeren Wissenschaftsbezug profitieren kann, ebenso könnte das Studium an der Universität des Saarlandes durch einen Ausbau des Praxisbezugs in der Lehre gewinnen und die Studierenden noch besser auf den Berufseinstieg vorbereiten. Sollte die Zusammenarbeit der wirtschaftswissenschaftlichen Bereichen zu einer Business School führen, wie der Wissenschaftsrat es in seinem Gutachten ausgeführt hat, sollte hierbei selbstverständlich diese nicht aus der Universität und/oder der HTW herausgelöst dastehen, sondern eine Schnittmenge beider Hochschulen auch im administrativen Bereich beinhalten, da ansonsten zu befürchten ist, dass durch eine Ausgründung neue und höhere Verwaltungskosten entstehen. Bei jeglicher Kooperation sind jedoch die Zulassungsvoraussetzungen für das Studium innerhalb dieses neuen Konstrukts nicht einfach zu klären. Während eine Fachhochschulreife das Studium an der HTW ermöglicht, ist für ein Studium an der Universität des Saarlandes grundsätzlich die Allgemeine Hochschulreife Zugangsvoraussetzung; im Zuge der Öffnung der Universität wurden in den vergangenen Jahren weitere Möglichkeiten geschaffen das Studium an der Universität des Saarlandes ohne Abitur aufzunehmen – die fachgebundene Allgemeine Hochschulreife oder auch der Eignungstest nach ausreichend langer, einschlägiger Berufserfahrung seien hier stellvertretend genannt. Dennoch würde eine völlige Öffnung des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums für Bewerber*innen mit Fachhochschulreife bedeuten, dass der universitäre Anteil faktisch aufgegeben würde und das wirtschaftswissenschaftliche Studium vom wissenschaftlichen Universitätsstudium ganz überwiegend weg zum praxisorientierten HTW-Studium gewandelt würde. Eine Einschränkung der Zulassung auf BewerberInnen beispielsweise mit Allgemeiner Hochschulreife oder der Fachhochschulreife im Bereich Wirtschaft würde die Zulassungsvoraussetzungen für das bisherige Potential der HTW-Studierenden einschränken. Hier wird klar, dass eine Zusammenarbeit zwar wünschenswert ist, gleichzeitig aber praktisch nur schwere oder gar nicht lösbare Konflikte auftauchen.
 
Lehramt
Der Wissenschaftsrat regt an darüber nachzudenken, das Angebot der Lehramtsstudiengänge in weiten Teilen oder gar komplett aufzugeben.
In den philosophischen Fakultäten (Sprachen, Geographie, Geschichte, Philosophie, Religionswissenschaften, Sport) sind die Hälfte der Studierenden Lehramtsstudierende, in manchen Fächern noch mehr. In den letzten Jahren wurden die Möglichkeiten des Lehramtsstudiums in den philosophischen Fakultäten beschnitten. So müssen Studierende der Politikwissenschaften nach Kaiserslautern pendeln, um für das Unterrichten von Sozialkunde an der Schule ausgebildet zu sein. Dass dies bereits mittelbare Auswirkungen auf die Eigenständigkeit des Saarlandes haben kann, ist sicher nicht von der Hand zu weisen.
In den Sprachen sind im Durchschnitt 60% der Studierenden Lehramtsstudierende. Bei der Streichung eines Sprachen-Lehramtsstudiengangs würde diese Sprache komplett gestrichen werden. Dabei bleibt aber die Internationalität der Universität des Saarlandes auf der Strecke.
Der hohe Anteil an Lehramtsstudierenden in den philosophischen Fakultäten verdeutlicht, dass die Aufgabe des Lehramtsstudium gleichzeitig massive Einschnitte in diesen Bereichen bedeuten würde. Eine Einschränkung des Fächerspektrums bei den Lehramtsstudiengängen sehen wir äußerst kritisch, da damit die Attraktivität des Lehramtsstudiums im Saarland insgesamt leiden würde: Die Einschränkung des Angebots im Saarland würde von vielen Studierenden das Pendeln verlangen. Die wenigsten Studierenden sind jedoch bereit oder auch nur fähig, zwischen mehreren Hochschulstandorten zu pendeln, sei es aus finanziellen Gründen oder auch aus zeitlichen. Die Uni Trier ist von Saarbrücken aus gesehen mit dem Auto nur in über einer Stunde erreichbar, bis zur TU Kaiserslautern werden gut 45 Minuten gebraucht. Mit dem ÖPNV sind vom Campus Saarbrücken bis zum Campus Trier rund zwei Stunden Zeit einzurechnen, nach Kaiserslautern werden 1,5 Stunden benötigt. Wer also das Fächerangebot beim Lehramtsstudium in Saarbrücken einschränkt, nimmt damit in Kauf, dass für das Saarland in bestimmten Fächern weniger oder gar keine LehrerInnen zur Verfügung stehen. Eine Einschränkung der Möglichkeiten des Lehramtsstudiums in den philosophischen Fächern würde die Attraktivität des Lehramtsstudiums im Saarland generell beschädigen, denn die Kombinationsmöglichkeiten und Wahlmöglichkeiten für Zweitfächer würden damit eingeschränkt. Ein beträchtlicher Anteil der Studierenden in Lehramtsstudiengängen wählt sowohl ein Fach aus dem MINT- als auch ein Fach aus dem philosophischen Bereich.
In den mathematischen und den naturwissenschaftlichen Fächern stellen die Lehramtsstudierenden etwa ein Drittel aller Studierenden. Einschränkungen im Fächerspektrum für Lehramtsstudierende ist hier aus mehreren Gründen kontraproduktiv: Im Saarland mit seinem Schwerpunkt auf dem produzierenden Gewerbe sind naturwissenschaftliche und mathematische Fächer essenziell. Zudem ist das Studieren eines MINT-Faches weniger beliebt als das Studium eines philosophischen Faches. So haben AbsolventInnen von Lehramtsstudiengängen in MINT-Fächern glänzende Berufsaussichten, während AbsolventInnen von Lehramtsstudiengängen in philosophischen Fächern mitunter viel geringere Einstellungschancen haben. Würde die Attraktivität des Lehramtsstudiums sinken, würde die Zahl der AbsolventInnen mit Lehramtsstudium im MINT-Bereich zusätzlich sinken, da sich Studierende eine Alternative in anderen Bundesländern suchen würden.
Im technisch-gewerblichen Berufsschulbereich zeichnet sich bereits ein Lehrkräftemangel ab, denn der Anteil der Lehramtsstudierenden in den Ingenieursbereichen ist verschwindend gering. Das deutet auf einen aufkommenden Standortnachteil für die saarländische Industrie hin. Daher gilt es alles Mögliche zu vermeiden, was das Lehramtsstudium im Saarland in seiner Attraktivität angreifen könnte. Viel mehr ist vor diesem Hintergrund ein klares Bekenntnis zum Lehramtsstudium besonders wichtig. Vor dem politischen Hintergrund ist zu bewerten, welche Gefahren sich durch eine Einschränkung oder Aufgabe der Lehramtsausbildung im Saarland ergeben. Wenn Studierende das Lehramtsstudium im Saarland nicht mehr als attraktiv genug ansehen oder es gar nicht mehr vorhanden ist, gehen sie zum Studieren in andere Bundesländer. Dort bauen sie sich ihren sozialen Mittelpunkt auf und es ist überaus schwer AbsolventInnen wieder in das Saarland zurück zu locken. Da ist der neue Lebensmittelpunkt ein Aspekt, die im Vergleich zu anderen Bundesländern merklich schlechteren Arbeitsbedingungen ein weiterer: Das Saarland verlangt von seinen LehrerInnen im Vergleich zu anderen Bundesländern das Unterrichten von mehr Schulstunden vor größeren Klassen bei geringerem Anfangsgehalt. Nicht zuletzt wiegt jetzt der Aspekt, dass AbsolventInnen des Lehramtsstudiums von MINT-Fächern im bundesweiten Vergleich deutlich mehr gefragt sind als AbsolventInnen in philosophischen Fächern, besonders schwer. Es ist dann ungleich schwerer AbsolventInnen aus anderen Bundesländern für eine Anstellung im Saarland zu gewinnen. Dies wird wiederum unweigerlich zu einem Standortnachteil für das Saarland führen, da die hiesige Wirtschaft mit ihrem Schwerpunkt im produzierenden Gewerbe SchulabsolventInnen mit einem fundierten Wissen in Naturwissenschaften, Technik und Mathematik braucht, das aber nur von entsprechend qualifizierten Lehrkräften vermittelt werden kann.
Es zeigt sich also: Jegliche Einschränkungen im Bereich der Lehramtsausbildung wird wie aktuell alleine schon die Diskussion um das Lehramtsstudium unweigerlich zu weiteren Standortnachteilen für die saarländische Wirtschaft führen und so mittelbar die Eigenständigkeit des Saarlandes weiter gefährden. Stattdessen ist ein klares Bekenntnis zu einer breiten Lehramtsausbildung dringend notwendig.
 
Kooperationen
Der Wissenschaftsrat beleuchtet in seinem Gutachten auch die Rolle der inter-universitären Kooperationen. Einerseits einen Ausbau der Kooperationen innerhalb des Saarlandes mit der HTW, andererseits aber auch eine stärkere Vernetzung in der Großregion. Wir begrüßen, dass der Wissenschaftsrat die Bedeutung von Kooperationen anerkennt.
Durch eine gemeinsame Lehre wäre es möglich, die komplette Abschaffung von Lehrstühlen an einem Standort zu umgehen und das Studienangebot beizubehalten. Auch gemeinsame Berufungen wären aus unserer Sicht ein denkbarer Weg. In jedem Fall würden wir eher auf die Mobilität der Lehrenden als der Studierenden setzen.
In wie weit dies möglich ist und ob dies ein konkretes Einsparpotential mit sich bringen könnte bleibt zu prüfen.
Falls jedoch Kooperationen eine verstärkte Mobilität der Studierenden vorrausetzen würden, bräuchte es eine bessere Anbindung der Campusse an den ÖPNV, auch über Ländergrenzen hinweg. Ein Konzept hierfür liegt zurzeit noch nicht vor und wäre bei einer sinkenden Studierendenzahl aus der heutigen Sicht finanziell für die Studierendenschaft nicht umsetzbar.
Der Wegfall von beispielsweise 5000 Studierenden hätte den Verlust von einer Million Euro für das Semesterticket zur Folge. Ein Ausbau des Tickets in die Großregion wird so ohne die finanzielle Unterstützung durch das Land für die Studierendenschaft nicht zu realisieren sein.
 
Da die Studierendenden nur punktuell eingebunden werden, warten wir das Studienangebot betreffend, zurzeit konkrete Konzepte und deren Einsparpotential ab. Aus unserer Sicht wird es jedoch nicht möglich sein, hier bis 2020 das vorgegebene Sparvolumen zu erreichen.
Besonders spielen bei einer Reduzierung der Studierendendzahlen die Zuwendungen des Bundes durch Hochschulpaktmittel eine wichtige Rolle.
 
Verwaltung
Innerhalb der Suche nach Einsparmöglichkeiten auf dem Campus soll die Verwaltung der Universität evaluiert werden. Hier können wir uns durchaus Einsparmöglichkeiten, die aus Synergien einzelner Fakultäten oder zwischen HTW und UdS entstehen vorstellen.
Die Service-Zeiten bedürfen hier aktuell klar eines Ausbaus als weiterer Einschränkungen. Durch die Zusammenlegungen einzelner Teilbibliotheken zu größeren Einheiten, mittelfristig sogar zu einer Zentralbibliothek, lassen sich sicher Einspareffekte erzielen. Solange diese nicht umgesetzt werden, muss für das zielgerichtete Studium der Zugang zu den Bibliotheken flächendeckend von 8-23 Uhr gewährleistet sein. Ebenso besteht zusätzlicher Bedarf an Lernräumen sowie Räumen zum Abfassen von Abschlussarbeiten.
Auch hier zeigt sich
Als Beitrag, den Verwaltungsaufwand im Personalwesen zu reduzieren, schlagen wir vor, dass Verträge für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte zukünftig grundsätzlich mindestens über ein Jahr geschlossen werden (außer in begründeten Ausnahmefällen) und der Vertragsumfang grundsätzlich nicht weniger als acht Stunden betragen soll.
 
Qualität der Lehre an der Universität des Saarlandes
Im Gutachten wird von einer mangelnden Qualität der Lehre gesprochen. Zu diesem Fazit können wir jedoch nicht kommen. Wir sehen in einigen Fächern natürlich Verbesserungspotentiale, und auch die Frage, wie qualitätserhaltende Projekte, die bisher aus Kompensationsmitteln finanziert wurden, kompensiert werden, muss geklärt werden.
Insgesamt gibt es aber auf dem Campus ein sehr gutes Qualitätsmanagement, welches sich aus vielen verschiedenen Akteuren zusammensetzt. Neben den forschungsbasierten Schwerpunkten der Universität sehen wir auch hier eine Möglichkeit der Profilschärfung, welche einen Anreiz für Studienanfänger darstellen kann.
Mit dem Ziel, das hohe Niveau der Ausbildung an der UdS beizubehalten und die Qualität in Lehre und Studium nachhaltig weiterzuentwickeln, wurde 2008 das Qualitätsmanagementsystem Lehre und Studium entwickelt und systematisch etabliert. Mit dem Qualitätsmanagementsystem übernimmt die UdS die institutionelle Verantwortung für Qualitätsgewährleistung und -entwicklung, wie es von den Grundsatz-erklärungen zum Bologna-Prozess sowie vom saarländischen Universitätsgesetz gefordert wird. Damit trägt die Universität auch den veränderten Qualitätserfordernissen Rechnung, die sich durch die Einrichtung von Bachelor- und Master-Studiengängen ergeben.
Die Entwicklung und Umsetzung des Qualitätsmanagementsystems erfolgt daher in enger Zusammenarbeit zwischen Präsidium, Fakultäten, Fächern, zentralen Einrichtungen und der Verwaltung der Universität. Für die operative Ausgestaltung des Qualitätsmanagementsystems ist das Qualitätsbüro verantwortlich.
Daneben stellen die StudienkoordinatorInnen in den jeweiligen Fächern eine wichtige und besonders gut angenommene Anlaufstelle für Studierende dar. Durch diese können die meisten Probleme, die sich im Studienalltag ergeben, direkt vor Ort und auch mit den jeweiligen Verantwortlichen schnell gelöst werden.
Eine weitere Anlaufstelle bietet der AStA mit seinem Referat für Studienqualität. Auch hier können Probleme oft in Zusammenarbeit mit beispielsweise dem Qualitätsbüro unkompliziert gelöst werden.
Durch die Durchführung von Befragungen einzelner Fächer können Mängel in der Qualität der Lehre oder auch der Gestaltung des Studienalltags und Prüfungen gefunden und unter Beteiligung aller Akteure beseitigt werden.
Dieses System wurde 2013 durch den erfolgreichen Abschluss der Systemakkreditierung bestätigt. Damit war die UdS unter den ersten vier Universitäten, die systemakkreditiert wurden. Dieses System gilt es daher beizubehalten und in keinem Fall zu reduzieren.
Im Rahmen der Diskussionen über einzelne Fächer und auch in der darauf folgenden Zeit sollten gerade die durchgeführten Befragungen als Grundlage für Studienoptimierungen genutzt werden, um die im Gutachten angesprochene unterdurchschnittliche Absolventenquote zu bekämpfen.
 
Ausblick
Auch die Regionen um die Universität würden eine Reduktion der Studierendenzahlen und der an der Universität angestellten Mitarbeiter schmerzhaft spüren.
Diese Reduktion hätte negative Auswirkungen auf beispielsweise den Wohnungsmarkt und den ÖPNV. Außerdem hätten die umliegenden Kommunen sowie das Land mit einem deutlichen Kaufkraftverlust und einem Verlust von Steuereinnahmen zu rechnen.
Gerade die Universität stellt für das Saarland eine zentrale Institution dar, um junge Menschen zu halten und neue hinzuzugewinnen. Sie erfüllt für die wichtige Altersgruppe der 20- bis 30-jährigen eine Klebe- und Magnetfunktion.
Vor dem Hintergrund der Altersstruktur, der niedrigen AkademikerInnenquote und dem negativen Wanderungsverhalten der Studienanfänger im Saarland ist dies ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Sogenannte „Massenfächer“ entfalten hier ihre Wirkung.
Zudem können sich viele junge Saarländerinnen und Saarländer ein Studium außerhalb der Landesgrenzen schlichtweg nicht leisten. Den Studierenden, die aus nicht-akademiker Haushalten kommen, welche an der Universität einen überdurchschnittlich hohen Anteil ausmachen, würden durch ein begrenztes Studienangebot Zukunftschancen verwehrt.
 
In einer älter werdenden Gesellschaft, die von Fachkräftemangel geprägt ist, versucht sich natürlich auch das Saarland für die Zukunft zu positionieren und auch über die Landesgrenzen hinaus attraktiv zu sein.
Gerade vor diesem Hintergrund sollte das Land auf eine Universität mit hoher Strahlkraft nach außen setzen.
Die auferlegten Sparzwänge der Landesregierung werden langfristig nicht nur der Universität, sondern eben auch dem gesamten Saarland schaden.
Welche großen und weitreichenden Anstrengungen notwendig sind, um dem Sparzwang der Landesregierung gerecht zu werden, zeigt sich in der momentanen Diskussion. Inwieweit die vorgeschlagenen Maßnahmen auch akut einen Einspareffekt mit sich bringen können, zweifelt auch der Wissenschaftsrat an. Das Land wird daher in jedem Fall um eine Übergangsfinanzierung nicht herum kommen.
 
Aus Sicht der Studierenden ist klar, dass auch die Universität einen Beitrag zur Haushaltskosolidierung leisten und ihre Strukturen überdenken muss. Aber Einsparungen in dem Ausmaß wie sie momentan vorgesehen sind würden die Universität in eine Abwärtsspirale versetzen, aus der sie so schnell nicht wieder heraus gelangen könnte. Das Saarland würde eine akademische Grundversorgung so nicht mehr gewährleisten können. Daher zeigen wir uns grundsätzlich offen für Kooperationen, unter der Vorgabe der Mobilität der Lehrenden und sprechen und entschieden gegen Schließungen ganzer Fächer aus.
Ob sich das Land in den nächsten Jahren wirklich strategisch mit einer Universität, die nicht ausreichend finanziert ist und deren Ruf darunter leidet, für seine Zukunft aufstellen möchte, sollte noch einmal gründlich überdacht werden.

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