Stellungnahme des AStA zur Kurzfassung des Gutachtens des Wissenschaftsrates

von Charlotte Dahlem

Im letzten Jahr wurde klar, dass im Rahmen der Haushaltseinsparungen im Zuge der Schuldenbremse auch die 
Universität
hart getroffen wird.
Da bereits zu diesem Zeitpunkt die Schließung von Fächern als Option, eine solche Sparlast zu tragen, ins Gespräch
kam,
wurde der Wissenschaftsrat vom Land beauftragt, die Hochschullandschaft im Saarland zu begutachten.
Nach der
Begehung der Hochschulen im Sommer 2013 wurde am vergangenen Freitag bereits die Kurzfassung des
Gutachtens veröffentlicht. Heute folgt das gesamte 450 Seiten umfassende Gutachten.
In diesem Gutachten attestiert der
Wissenschaftsrat der Universität des Saarlandes ein leistungsstarkes und breites,
jedoch bereits jetzt unterfinanziertes Spektrum.
An dieser Stelle ist zu betonen, dass die im Gutachten angesprochenen
Maßnahmen nicht aus einer schlechten Qualität
des Studiums resultieren, sondern Möglichkeiten aufzeigen sollen, wie die Universität mit dem auf über 100 Mio. Euro
bis 2020 anwachsenden Haushaltsloch umgehen kann.
Eine Aussage wie viel die Uni durch die einzelnen Maßnahmen
bis 2020 sparen kann, wird allerdings nicht getroffen. Jedoch wird auch noch einmal unmissverständlich klar gemacht,
dass die Rasenmäher-Methode nicht das Mittel der Wahl ist und die Universität in diesem Finanzszenario um
Fächerschließungen nicht herum kommen wird.
Durch das Gutachten wird verbildlicht, dass die Einsparungen
gravierende Konsequenzen für die Hochschullandschaft
im Saarland bedeuten.

Die Maßnahmen im Überblick: - Kürzungen des Studiengangsportfolio im Bereich der Geisteswissenschaften - Ausbau der Kooperationen im Bezug auf die Lehramtsstudiengänge - Schließung des erst im WS 13/14 eingeführten Masterstudiengangs Maschinenbau - Schließung des Rechtswissenschaftlichen Studiengangs (Kooperationen sollen geprüft werden) - Verlagerung der Wirtschaftswissenschaften in eine Business School - Schließung der Zahnmedizin Profil statt Breite? Werden die Vorschläge des Wissenschaftsrates umgesetzt, bedeutet dies eine klare Verabschiedung von einer, in den
letzten Jahrzehnten gewachsenen Volluniversität. Statt eines breiten Fächerangebots, welches eine solide akademische
Grundversorgung verspricht, wird es nur noch ein zurechtgestutztes, auf Exzellenzen getrimmtes Angebot geben.
Dabei bringt eine solche Verkleinerung des Fächerangebots noch lange keine Verbesserung bei den sog. "Profilfächern".
Das Gegenteil ist der Fall, denn es würden viele Synergieeffekte durch Lehrexporte zwischen den Fakultäten verloren
gehen. So sind bisher beispielsweise rechts- oder wirtschaftswissenschaftliche Lehrangebote auch Bestandteil von
anderen Studiengängen.
Abgesehen davon, sieht das Gutachten des Wissenschaftsrates keine Aufstockung der
finanziellen Mittel für die verbleibenden Fächer vor. Von einer Stärkung des Profils kann daher keine Rede sein.
Möglichkeiten und Konsequenzen von Kooperationen Der Wissenschaftsrat beleuchtet in seinem Gutachten auch die Rolle der inter-universitären Kooperationen.
Einerseits einen Ausbau der Kooperationen mit der HTW, andererseits aber auch eine stärkere Vernetzung in der
Großregion. Wir begrüßen, dass der Wissenschaftsrat die Bedeutung von Kooperationen anerkennt. Die Universität des
Saarlandes hat bisher viel Energie in den Auf- und Ausbau ihrer Kooperationen gesteckt. Sowohl Studierende, als auch
Lehrende und Forschende konnten bereits davon profitieren.
Es ist uns aber bewusst, dass Kooperationen keinen Selbstzweck darstellen. Kooperationen können durchaus eine
Möglichkeit darstellen, Einsparungen vorzunehmen ohne konkreten Verlust von Studienangeboten. Ob eine Kooperation
in den Rechtswissenschaften möglich ist, bleibt fraglich. Dies hätte zur Folge, dass das Saarland als einziges
Bundesland ohne eigene Juristenausbildung ist, was auch Auswirkungen auf seine Eigenständigkeit mit sich ziehen
könnte.
Im Gegensatz zum Wissenschaftsrat sehen wir Möglichkeiten bevorzugt in der gemeinsamen Lehre, als in der
kompletten Abschaffung von Lehrstühlen an einem Standort. Für uns wären hier beispielsweise gemeinsame
Berufungen ein denkbarer Weg. In diesem Fall würden wir von einer verstärkten Mobilität der Lehrenden ausgehen.
Falls es jedoch zu den vom Wissenschaftsrat angeregten verstärkten Kooperationen kommen sollte, welche eine
erhöhte Mobilität der Studierenden voraussetzen, bräuchte es eine bessere Anbindung der Campusse an den ÖPNV,
auch über Ländergrenzen hinweg. Ein Konzept hierfür liegt weder vor, noch wäre es unter den zur Zeit gegebenen
Umständen bei einer geringeren Studierendenzahl zu finanzieren.
Hier muss man sehen, dass der Wegfall von 5000 Studierenden auch ein Wegfall von einer Millionen Euro für das
Semesterticket bedeutet. Ein Ausbau des Tickets in die Großregion wird so, ohne die finanzielle Unterstützung durch
das Land für die Studierendenschaft nicht zu stemmen sein.
Einsparpotenzial ist fraglich Ein Aspekt, der im Gutachten nicht angesprochen wird, ist die Frage, wie viel Geld durch die angegebenen Maßnahmen
überhaupt eingespart werden könnte. So ist beispielsweise bei der Schließung der Zahnmedizin von gerade einmal
einer Millionen Euro die Rede.
Auch die Auswirkungen auf die Mittel, die vom Bund fließen, wird hier nicht näher beleuchtet. Besonders die
Hochschulpaktmittel sind an die Zahl der Studienanfänger gekoppelt. Große Studiengänge wie Jura und BWL spielen
hier eine große Rolle. Wie sich diese Zahlen bei einer so starken Reduktion der Studierendenzahl auswirkt, ist unklar.
Zudem ist fraglich, ob so umfassende Veränderungen, wie im Gutachten beschrieben, überhaupt bis 2020 zu
bewältigen sind. Wie eine mögliche Übergangsfinanzierung aussehen kann, steht in den Sternen.
Weitreichende Folgen für Stadt und Land Abgesehen von dem Verlust mehrerer Fachbereiche, wäre auch der Wegfall tausender Studierenden schmerzhaft.
Ein Verlust, den die Universität und das Land merklich spüren werden. Insbesondere für den Wohnungsmarkt im
Regionalverband Saarbrücken wären 5000 Studierende weniger eine nicht unerhebliche Größe. Auch für den saarVV
könnte dies Einbußen von knapp einer Millionen Euro pro Jahr alleine durch das Semesterticket bedeuten. Mit einem
Gesamtvolumen von 3,6 Mio. Euro ist die Studierendenschaft der UdS hierbei einer der größten Geldgeber. Hinzu
kommt der Wegfall der Kaufkraft durch die fehlenden Studierenden.
Eine Reduktion der Studierendenzahl, wie im Gutachten des Wissenschaftsrats beschrieben, würde auch starke Effekte
im Bezug auf den demographischen Wandel mit sich bringen. Rund 60% der Studierenden in der rechts- und
wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät stammen aus dem Saarland. Dies würde allein bei einem Wegfall der
Studiengänge Jura und BWL bedeuten, dass rund 3000 "Landeskinder" das Saarland verlassen müssten, um eine
universitäre Bildung in diesem Bereich zu genießen.
Zu den 5000 Studierenden kann man auch von fast 1000 Stellen ausgehen, die abgebaut würden. Was diese Pläne an
entgangenen Steuereinnahmen und Kaufkraftverlusten für das Saarland bedeuten, muss hier nicht weiter aufgeführt
werden.
Auch auf dem Campus hätten die Kürzungen weitreichende Folgen. So reagiert das Studentenwerk schon jetzt auf seine
Sparlast mit einer Erhöhung des Semesterbeitrags und Kürzungen der Öffnungszeiten in der Mensa. Bei 5000
Studierenden weniger würden dem Studentenwerk nochmals rund 800.000 Euro fehlen.
Ein Land ohne Plan Dass dem Land eine klare Zukunftslinie bezüglich ihrer einzigen Universität fehlt, wird bei den die
Lehramtsstudiengänge und den Master Maschinenbau betreffenden Maßnahmen deutlich.
Der im aktuellen Semester gestartete Masterstudiengang Maschinenbau soll wieder geschlossen werden. Außerdem
stehen die Lehramtsstudiengänge und damit auch die neu auf Initiative des Landes eingeführte Grundschulpädagogik
wieder auf dem Prüfstand.
Es wird folglich spätestens jetzt dringend nötig sein, sich auch von Seiten des Landes Gedanken zu machen, in welche
Richtung man sich entwickeln will.
Bildung stellt eines der wichtigsten Güter einer Gesellschaft dar. Die geforderten Maßnahmen würden die Universität des
Saarlandes schlagartig ihren Status als Volluniversität verlieren lassen, womit das Saarland das einzige Bundesland
ohne eine eigene Volluniversität wäre. Dies wäre ein Offenbarungseid für den Bildungsstandort Saarland. Es kann nicht
im Interesse eines Bundeslandes sein, an seiner Zukunft, der Bildung junger Leute, zu sparen. Die für Bildung
bereitgestellten Mittel stellen eine Investition in die Zukunft des Landes dar und dürfen nicht als reine Ausgaben
gesehen werden.
Abschließend bleibt zu sagen, dass eine Schließung von Fächern ein langwieriger Prozess ist. In welchem Ausmaß
dieser angegangen wird, bleibt wohl abzuwarten. Das Gutachten soll erst einmal als Diskussionsgrundlage dienen.
Eine Diskussion, die wir konstruktiv begleiten werden.
Der Universität wurde ein guter Status Quo attestiert. Sollte das Angebot in diesem Rahmen reduziert werden, ist dies
ein Schritt zurück, von dem sich das Saarland so schnell nicht wieder erholen wird.

 

Zurück