Erstes Treffen mit Verkehrsunternehmen in Sicht – AStA der UdS und der htw saar fordern Verhandlungsmandat

von Judith Bühler

Gemeinsame Pressemitteilung des AStA der Universität des Saarlandes und des AStA der htw saar

Seit September versuchte der AStA der Universität des Saarlandes, einen Verhandlungstermin mit den saarländischen Verkehrsunternehmen zu bekommen, um den Preis für das Semesterticket ab Oktober 2019 zu diskutieren – nun scheint ein Termin in Sicht. „Wir sind froh, dass wir nach langem Drängen einen Termin in der zweiten Dezemberwoche bekommen haben“, meint Judith Bühler, AStA-Vorsitzende der Universität des Saarlandes. Die Verkehrsunternehmen wollten zuvor das laufende Gutachten zur Preisstruktur im saarländischen ÖPNV abwarten, bevor sie mit den Studierendenvertretungen Gespräche eingehen wollten, heißt es. Das vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Gutachten soll voraussichtlich Ende des Jahres vorgelegt werden. Es wuchs jedoch der Verdacht, dass die Verkehrsbetriebe den Verhandlungstermin mit den Studierendenvertretungen der saarländischen Hochschulen (Universität, htw saar, HBK und HfM) aussitzen wollen, bis sich die katastrophale ÖPNV-Situation etwas entspannt hat. „Wenn sie bis zum 1. Februar warten, bis wir zum alten Fahrplan zurückgekehrt sind, können sie behaupten, es laufe doch alles nach Plan“ befürchtete Lukas Redemann, ebenfalls AStA-Vorsitz der Universität des Saarlandes.

Der Vertrag über das neue Ticket muss jedoch bereits im Frühjahr geschlossen werden, damit die Beitragsordnung rechtzeitig vor der Rückmeldung zum Wintersemester in den entsprechenden Gremien beschlossen werden kann.
Denn im Saarland ist die Verhandlungssituation für die Studierenden besonders schwierig: anders als in anderen, sehr viel größeren Bundesländern, wo mit einem oder maximal drei Verkehrsbetrieben verhandelt wird, sitzen hier 17 öffentliche und private Verkehrsbetriebe wortwörtlich am Verhandlungstisch. Ein Verhandlungsmandat – also die Möglichkeit, dass ein großes Unternehmen im Namen aller Partner verhandelt – gibt es nicht. „Das bedeutet, dass viel mehr Termine nötig sind, weil die Unternehmen sich jedes Mal wieder unter sich besprechen müssen“ beklagt Redemann. „Auf ein Gegenangebot von uns können sie deswegen nicht direkt reagieren.“ Deshalb fordert der AStA ein Verhandlungsmandat – oder gleich die Auflösung des Flickenteppichs ÖPNV im Saarland und die Schaffung eines einzigen Verkehrsbetriebs. „Es muss eine grundlegende Wende in der Verkehrspolitik her, denn so kann es nicht weitergehen“, meint auch der neue AStA-Vorsitzende der htw saar, Elias Friedrich. Allein die Vertragsunterzeichnung aller 17 Partner nimmt mehrere Wochen in Anspruch.

Der ÖPNV im Saarland ist prekär: schlechte Abstimmungen von Zug- und Busfahrzeiten, mangelhafte Anbindung des ländlichen Raums und überhöhte Preise. Hinzu kommt der aktuell reduzierte Fahrplan der Saarbahn GmbH innerhalb Saarbrückens, der tausende Studierende dazu zwingt, fast eine Stunde mehr für ihren Weg an die Uni einzuplanen, um volle Busse zu vermeiden. „Dies führt bereits jetzt dazu, dass viele Studierende nach Alternativen suchen, um dem ÖPNV-Chaos zu entfliehen“, so der stellv. Vorsitzende der htw saar Johannes König. Deswegen läuft zurzeit die Aktion „Isch holl disch mit!“ des AStA der UdS, um Mitfahrgelegenheiten zu fördern: mit roten Anhängern können Autofahrer_innen signalisieren, dass sie bereit sind, Personen an Bushaltestellen in Richtung Universität mitzunehmen. „Das Angebot wird gut genutzt, die Rückmeldungen sind überwältigend“ zieht Judith Bühler Bilanz.

„Nichtsdestotrotz erwarten wir Eingeständnisse bei den Verkehrsbetrieben und mehr Engagement aus der Politik, grundlegend etwas verändern zu wollen.“ Denn nur durch einen guten ÖPNV kann das Saarland attraktiv bleiben. Die Landesregierung muss sich dazu dem Thema in Zukunft voll und ganz verschreiben.

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