Immer mehr Studierende können Semesterbeitrag nicht zahlen

von Judith Bühler

An der Universität des Saarlandes ist die Stimmung nach der Erhöhung des Semesterbeitrags um einen Verwaltungskostenbeitrag von 50€ weiter angespannt. Der aktuelle Semesterbeitrag beträgt nunmehr 277€ und die Befürchtungen der Studierendenschaft zeigen sich bestätigt: eine Vielzahl von Studierenden kann es sich offenbar nicht leisten, auf einen Schlag fast 300€ zu bezahlen. Das zeige die gestiegene Nachfrage beim AStA nach Darlehen und den unterschiedlichen Nothilfefonds, so Judith Bühler, AStA-Vorsitzende und Referentin für Studienfinanzierung. „Bei uns gehen zur Zeit etwa zehn Anfragen pro Woche ein, ob es Unterstützung bei der Finanzierung des Semesterbeitrags gibt“, führt Bühler aus. Bereits seit zwei Jahren ist sie Referentin für Studienfinanzierung und betont, so viele Anfragen habe es in der Vergangenheit nicht gegeben. Die extrem kritische, finanzielle Lage der Studierenden und der Studienbewerber_innen wird auch von Franz-Josef Dobelmann, Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde, und Heike Luther-Becker, Referentin der Evangelischen Hochschulgemeinde wahrgenommen und bestätigt. Auch sie verfügen über Fonds für Studierende, um in einer akuten finanziellen Notlage Unterstützung zu leisten. Viele der zur Verfügung stehenden Mittel sind bereits jetzt nahezu ausgeschöpft, und das noch vor Beginn des Wintersemesters. Mit der Erhöhung um 50 € ist offenbar die Grenze eines angemessenen und verträglichen Semesterbeitrags überschritten worden. Besonders prekär ist die Situation für angehende Studierende, die sich nun erstimmatrikulieren wollen.
„Uns kontaktieren Abiturient_innen, zum Teil die ersten potenziellen Studienanfänger_innen ihrer Familie, die eine Zusage der Universität des Saarlandes erhalten haben und sich riesig auf ihren Studienbeginn freuen. Sie können allerdings den Semesterbeitrag zur Immatrikulation nicht aufwenden und laufen nun Gefahr, nicht im Saarland studieren zu können“ berichtet Lukas Redemann, AStA-Vorsitzender und Referent für Studienqualität. Problematisch sei auch, dass die vorhandenen Fonds zum überwiegenden Teil nur von Studierenden in Anspruch genommen werden könnten und den Studienbewerber_innen nicht weiterhelfen würden. „Auch eine Ratenzahlung des Semesterbeitrags, nach der wir mehrfach gefragt wurden, gibt es an der Universität des Saarlandes nicht“ beklagt Bühler. Auch das BAföG, die Ausbildungsförderung des Bundes, bekommen finanziell benachteiligte Studierende erst nach ihrer Immatrikulation
. Die Studierendenvertreter führen den Zuwachs der Anfragen auf die Einführung der Verwaltungsgebühr zurück. „Unsere Vorgänger_innen haben davor gewarnt und haben Recht behalten: die 50€ führen nicht nur dazu, dass sich Studierende nicht einschreiben können, sondern sind auch verantwortlich für die Verschlechterung der finanziellen Situation der Studierenden“ so die AStA-Vorsitzenden. „Die einzig logische Konsequenz muss sein, den Verwaltungskostenbeitrag wieder abzuschaffen und jegliche Studiengebühren aus dem Gesetz zu streichen, damit ein Studium nicht zum Privileg eines reichen Elternhauses wird!“ Trotz massiver Proteste der Studierendenschaft war die Gebühr vom Saarländischen Landtag ins Saarländische Hochschulgebührengesetz übernommen und schließlich vom Senat der Universität beschlossen worden.

Judith Bühler & Lukas Redemann
Die Vorsitzenden des 65. AStA

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